Unsere Tiere in Allach

Als Kinder haben meine Schwester und ich viel mit Tieren zusammen gelebt, was heute nicht mehr so möglich ist. Heute leben meine Frau und ich nur noch mit Fliegen, Wespen und ab und zu mit Stechmücken (nachts) zusammen. Damals gab es auch Fliegen, Wespen und Bienen. Die Fliegen wurden brutal ‚gefoltert‘ und ermordet, indem sie an die mit Honig bestrichenen Fliegenfänger gelockt wurden, auf denen sie sich langsam zu Tode abstrampelten. Als Kind ist man ja unempfindlich gegen die Schmerzen der Tiere, noch dazu, wenn die Eltern es den Kindern nicht beibringen, dass auch Tiere Schmerz fühlen. Die Wespen haben die Eltern mit der Fliegenklatsche erschlagen, die konnten uns wenigstens mit Stichen quälen. Dass der Gesetzgber die Fliegenfänger dann verboten hat, wurde klaglos hingenommen.

Dann gab es unter den Dachziegeln unseres Hauses stets ganze Familien von Spatzen, die mein Vater über eine Leiter aus den Nestern holten, sie zu uns herunter warf, wo wir sie dann zertraten oder an die Hauswand warfen, wo sie rasch getötet wurden. Ich mohte das nicht gerne, mir gefielen die Spatzen und ihr Gezeter. Und noch eine Spezies war in Allach: Die weißlichen Raupen mit ihren kurzen Schwänzchen in der Versitzgrube unter dem Klo. Das war damals in Allach Usus, und im Vorsommer stiegen diese scheußlichen Würmer aus der Grube heraus und krochen überall im Hof herum. Eine große Schadenfreude gabe es für uns Kinder und die Mutter, als der Vater beim Ausräumen der Grube mit dem Schubkarren voller Gülle und den Würmern, mit Karacho an den Betonpfosten des Gartentürls stieß und die Würmersuppe in hohem Bogen zu ihm herausschwappte und er von oben bis unten mit Scheiße behangen war. Er stank fürchterlich, und für uns war die ‚Scheiß’arbeit für heute beendet. Ungeniert lachten wir ihn aus, die Mutter stand in ihrer Arbeitsschürze an der Tür vom Vorhäusl, die Hände in die Hüften gestemmt und lachte ebenfalls aus vollem Hals.

Wir hatten auch Hasen, deren Futte wir täglich suchen mußten, und wenn einer geschlachtet wurde, gab es natürlich viele Tränen und vom Fleisch aßen wir keinen Bissen! Irgendwann kam der Vater auf die Idee, wir müßten auch Hühner haben. Also kam noch ein Hühnerstall neben die Hasen. Doch lax wie die Familie war, holten wir die Hennen nicht von den Apfelbaumästen, wo sie dann die ganze Nacht im Freien verbrachten. Doch eines Morgens gab es ein böses Erwachen – die Hühner waren weg, und unter den Bäumen lagen die abgeschnittenen Köpfe und Füße! Das war ein Schock, denn wir wußten nicht, wer es getan hatte. Einen Verdacht gab es zwar, aber den konnten wir nicht nachweisen. Erst um die Jahrhundertwende erzählte mir ein Schul’freund‘ aus der Allacher Kinderreichen-Siedlung, dass sie diese ‚Mordbuben‘ waren. Mir blieb nur übrig, ein säuerliches Gesicht zu dem Geständnis zu machen.

Und noch eine Tierart treibt sich noch heute im Garten herum: Weinbergschnecken, die mein Vater zur Nachzüchtung gekauft hatte, und die sich aus ihrem losen Gitterkäfig in den ganzen Garten verzogen hatten.

Und noch ein Hund ‚Rolfi‘, der uns Kindrn sehr lieb war und den Vater eines Morgens mit einem Fäustel den Kopf zerschlegen und ihn auf so grausame Weise getötet hatte. Rolfi hatte den Fehler gemacht, aus dem Hundezoo, wohin in die Eltern ihn verfrachtet hatten, über die 2 Meter hohen Gitterzäune zu klettern und wieder zu uns nach Hause zu rennen. Freude bei uns Kindern, und Rolfi wurde zum Freiheits-Helden‘ erkoren. Doch für ihn war es das Ende eines Hundetraums.

Über Markus Dosch

Markus Dosch wurde in dem Dorf Allach bei München 1931 geboren. Kindheit und Jugend sind durch die nationalsozialistische Herrschaft geprägt, vor der der Junge in eine Welt der Bücher flieht. Die Beschäftigung mit Märchen, Mythen und Sagen bietet eine Möglichkeit zu leben und zu überleben. Das Lesen erweckt schon früh den Wunsch selbst zu schreiben und das Leben in Sprache zu verwandeln. In seinen Erzählungen verarbeitet er vielfach seine Erfahrungen als Mitarbeiter einer Versicherung. Die Erlebnisse eines ganz normalen Büromenschen werden hier zu manchmal schaurigen, manchmal heiteren, manchmal bissigen Geschichten verdichtet. Die frühe Faszination durch Mythen und Märchen kehrt dabei in der Kunst des Autors wieder, das Wunderbare oder das Abgründige im Einerlei des tagtäglichen Lebens aufzuspüren und in poetische Bilder zu fassen. Ich bin Mitglied im VS - Verband Deutscher Schriftsteller in Bayern P.E.N. - Club Deutschland Werkkreis - Literatur der Arbeitswelt

06. Juli 2015 von Markus Dosch
Kategorien: Allgemein | 7 Kommentare

Kommentare (7)

  1. Oh wie traurig… diese Geschichten sind nichts für Tierliebhaber…

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    • DE UNA QUE TODOS LOS Q APARECEN DEBEN SER HERMANOSS!!! PORQE SE PARECEN PERO ENTRE ELLOS!!!! JAJAJAJJAJ… AUNQE SI TIENE Q SER UNO PARA MI EMILIANO MANCARDO. SE ACERCA MAS!..BESOSS ANDYY SOS UN GENIOOOOOOOOOOOOOOOOO!!!!!

    • Concordo cn Directioner..x me harry nn è innamorato di lei E io nn mi ricordo dove ho visto anke il video ke hanno fatto delle fan li vicine e vi assicuro ke è stata lei a tirarlo verso di se….secondo me lui nn selo aspettava neanke….mi disp x le directioner ke amano harry!!!!!!!!bye bye ))

    • Bon là, ce ne sera pas possible,pas de Facebook pour moi.Je ne tiens pas à m’emberlificoter encore plus,merci quand même pour l’invitation.Bon weekend

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