Traum mit Vater und Freundin

Manchmal können Träume dich schon erschrecken, weil du dich nicht dagegen wehren kannst. Vor ca. 5 – 6 Jahren träumte ich sehr viel, die unterschiedlichsten Situationen und dann wieder sich wiederholende Geschichten und Orte. Und einmal hatte ich sogar einen Traum mit fantastischen Farben in allen Schattierungen von Blau. Da war ich im Traum total verzaubert, denn er spielte in einer riesigen Höhle, die in einem wahren Farbenrausch erschien. Aber das war nur einmal. Und einmal träumte ich, dass ich flog wie ein Vogel, immer höher hinauf, ein unbeschreibliches Gefühl der Leichtigkeit und des Freiseins von den Fesseln der Anziehungskraft der Erde. Kein Wunder, dass man danach in einer gelösten Stimmung ist und der Traum noch lange nachhallt.

Doch die Regel sind Träume, die dich ängstigen, die die Unsicherheit des Lebens suggerieren und dich fast betäuben. Lange danach kannst du diesen Traum nicht abschütteln. So geschah es mir mit dem Traum im Titel dieses Beitrags.

Meine Freundin und ich lagen in Allach im, Bett, einem Bauern-und Industriedorf nordwestlich von München. Unser Haus war klein und das Schlafzimmer auch. Wir sahen hinaus auf einen kleinen Vorgarten mit Apfel- und Birnbäumen. Es war fast Nacht, doch irgend etwas störte unsere Ruhe. Plötzlich sagte meine Freundin „hörst du es nicht, da draußen vor dem Fenster bewegt sich was.“ Auch ich hatte ein Gefühl des bedroht seins, unheimlich und gespenstisch. „Ich fürchte mich“ sage sie und zog die Bettdecke über den Kopf. Ich schaute angestrengt zum breiten Fenster, doch es war nichts zu sehen. „Geh mal zum Fenster und schau in den Garten, vielleicht siehst du was.“

Also kroch ich aus dem Bett und ging langsam zum Fenster. Als ich näher kam, sah ich in der linken Fensterscheibe ein verzerrtes Gesicht, das ich zuerst nicht erkennen konnte, was es bedeuten sollte. Ich kam näher, und das Gesicht drückte sich an die Scheibe. Und dann erkannt ich, dass es mein verstorbener Vater war. Er sah irgendwie verstört aus und klopfte ans Fenster, ich sollte aufmachen. Zuerst war ich zutiefst erschrocken, meinen Vater da draußen zu sehen. Ich dachte, was will er denn von uns. Er machte ein Handzeichen, ich solle den Riegel drehen und das Fenster aufmachen. Er tat mir leid, aber ich konnte ihn unmöglich herein lassen ins Schlafzimmer, das zu Lebzeiten aber auch seines war! Er deutete auf meine Freundin, sie solle auch ans Fenster kommen. Sein Gesicht wurde zu einer Fratze, die mir wirklich Angst machte. Dann kam auch die Freundin dazu und versteckte sich hinter meinen Rücken. Sie hatte einen Besen dabei, da drückte Vater ans Fenster und es ging einen Spalt auf. Er griff mit einer Hand an den Rahmen und wollte wohl das Fenster aufsprengen. Da reichte sie mir den Besen und ich fuhr mit ihm aus dem nun halb offenen Fenster und stieß im den Besen mitten ins Gesicht. Er schrie fürchterlich auf, ein grausames Geheul, und ich schämte mich zutiefst, dass ich solch eine gemeine Handlung gegen meinen Vater machte. Er zog die knochige Hand zurück und drückte sie auf sein Gesicht. Da stürmte die Freundin hinter mir hervor und zusammen drückten wir das Fenster wieder zu und fielen uns in die Arme. Das Gesicht meines Vaters verschwand dann im Nu, und ich erwachte schweißgebadet und total erschöpft.

Ich erzählte meiner Frau diesen Traum, aber auch sie konnte ihn sich nicht erklären, und ich auch nicht. Noch heute, als ich diesen Traum aufschrieb, fühle ich mich schuldig gegenüber meinem Vater. Was wäre passiert, wenn wir ihn ins Schlafzimmer herein gelassen hätten? Hätte er uns getötet oder mit uns geredet und uns über seinen jetzigen Zustand im Jenseits berichtet? Oder hätte er sich entschuldigt, dass er unseren Liebling, einen uns zugelaufenen Hund ‚Rolfi‘ mit dem Vorschlaghammer getötet hatte? Meine Schwester und ich waren untröstlich über dieses grausame Ende, über ein Wesen, das wir liebten. Ich weiß es nicht.

Da ich jedoch glaube, dass wir uns in einer anderen Welt als eine Art von Lichtwesen wieder treffen werden, dann werden wir auch unsere Eltern und unseren Liebling wieder sehen und ihn ganz lange an uns drücken. Meine Schwester ist übrigens schon seit zwei Jahren dort, wo eine unendliche Liebe uns erwartet, von der wir hier auf Erden nur träumen können.

Über Markus Dosch

Markus Dosch wurde in dem Dorf Allach bei München 1931 geboren. Kindheit und Jugend sind durch die nationalsozialistische Herrschaft geprägt, vor der der Junge in eine Welt der Bücher flieht. Die Beschäftigung mit Märchen, Mythen und Sagen bietet eine Möglichkeit zu leben und zu überleben. Das Lesen erweckt schon früh den Wunsch selbst zu schreiben und das Leben in Sprache zu verwandeln. In seinen Erzählungen verarbeitet er vielfach seine Erfahrungen als Mitarbeiter einer Versicherung. Die Erlebnisse eines ganz normalen Büromenschen werden hier zu manchmal schaurigen, manchmal heiteren, manchmal bissigen Geschichten verdichtet. Die frühe Faszination durch Mythen und Märchen kehrt dabei in der Kunst des Autors wieder, das Wunderbare oder das Abgründige im Einerlei des tagtäglichen Lebens aufzuspüren und in poetische Bilder zu fassen. Ich bin Mitglied im VS - Verband Deutscher Schriftsteller in Bayern P.E.N. - Club Deutschland Werkkreis - Literatur der Arbeitswelt

01. Februar 2015 von Markus Dosch
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