Stilleben mit Körper in der Tram

Heute Nachmittag ging ich zum Haareschneiden zu Rana, ein nettes Mädel aus der Türkei. Dabei erfuhr ich, dass sie sehr gerne zum Schwimmen ins Nordbad geht. Danach ging ich zur Haltestelle der 21er Tram zum Westfriedhof und hockte mich in die Nähe einer sehr aparten Blondine auf einen der Bankdrahtsitze. Sehr heiß die Wetterlage um die Haltestelle.
In der Tram fand ich einen Fensterplatz in einem Vierersitzer in Fahrtrichtung. Mir gegenüber saß ein älteres Paar, sie mit kurzem Kleid, er mit buntem Hemd. Als ich rechts zum Fenster hinaussah, entdeckte ich meine Blondine auf einem erhöhten Absatz zwischen den Stühlen. Ihre hübschen Beine pendelten in den Gang, ihr kurzer Rock schob sich leicht an das Knie heran. Ich hatte einen tollen Blick auf sie, sehr anmutig und feine, lange Hände mit dezentem Farbton der Fingernägel. So konnte es bleiben, dachte ich und freute mich an dem unerwarteten Anblick. Der Mann mir gegenüber hatte seine Rechte auf das massige Knie seiner Frau gepresst, ich hätte als Frau schon was dagegen gehabt, wegen der enormen Hitze in der Tram.
Ich schaute wieder zu meinem Objekt der Begierde hinüber, da schob sich ein massiger Kerl mit seinem feisten Rücken direkt vor meine Lady, sodass ich nur noch ihre Knie und die beiden schönen Hände sehen konnte. Der Typ setzte seinen Rucksack auf den Boden, er wollte wahrlich so stehen bleiben bis zum Westfriedhof?
Meine Blicke wanderten also von der massigen Hand auf dem Knie meiner Gegenüberfrau zu den grazilen Fingern der Blondine. In der linken Hand hielt sie eine Dose eines Erfrischungsgetränks, und die Rechte zupfte den Rocksaum leicht über das Knie. Der Typ vor ihr mit seinem feisten Rücken, wich keinen Fingerbreit weg vor ihr und verdeckte immer noch Ihr apartes Gesicht mit dem feinen blonden Haar mit anmutigem Dutt obenauf. Dann erreichten wir meine Haltestelle am Leonrodplatz. Ein letzter Blick erhaschte ihre ganze Gestalt, ihre Augen sahen irgendwie in weite Fernen. Vielleicht dachte sie an einen netten Typen oder an ihren Urlaub oder an das noch zu waschende Geschirr im Spülbecken.

Über Markus Dosch

Markus Dosch wurde in dem Dorf Allach bei München 1931 geboren. Kindheit und Jugend sind durch die nationalsozialistische Herrschaft geprägt, vor der der Junge in eine Welt der Bücher flieht. Die Beschäftigung mit Märchen, Mythen und Sagen bietet eine Möglichkeit zu leben und zu überleben. Das Lesen erweckt schon früh den Wunsch selbst zu schreiben und das Leben in Sprache zu verwandeln. In seinen Erzählungen verarbeitet er vielfach seine Erfahrungen als Mitarbeiter einer Versicherung. Die Erlebnisse eines ganz normalen Büromenschen werden hier zu manchmal schaurigen, manchmal heiteren, manchmal bissigen Geschichten verdichtet. Die frühe Faszination durch Mythen und Märchen kehrt dabei in der Kunst des Autors wieder, das Wunderbare oder das Abgründige im Einerlei des tagtäglichen Lebens aufzuspüren und in poetische Bilder zu fassen. Ich bin Mitglied im VS - Verband Deutscher Schriftsteller in Bayern P.E.N. - Club Deutschland Werkkreis - Literatur der Arbeitswelt

04. Oktober 2014 von Markus Dosch
Kategorien: Allgemein | 2 Kommentare

Kommentare (2)

  1. Why does this have to be the ONLY rebliale source? Oh well, gj!

  2. Vamos La Legión!!!!Tendremos 2 Legionarios más en el MD del F30 de Brasil.Pablo Galdón clasificó al ganarle a Freitas (Bra) 64 61.También clasificó Gastón Paz al ganarle a García (Bra) 61 63.Felicitaciones Muchachos!!!!

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