Kussaustausch auf der Treppe

um ca. 10:11 kam ich aus der Abfallhütte unserer Hausgemeinschaft zurück, nachdem ich dort zwei Papierkörbe voll Papierneuigkeiten in die Tonne geschubst habe. Auf der Treppe zu unserer Wohnung, traf ich Frau Dosch mit einem halb vollen Wäschekorb. Sie und ich blieben auf der Treppenstufe stehen, und ich fragte sie, wohin sie gerade gehe (obwohl ich wusste, mit dem Wäschekorb geht sie immer zum Trockner in den Keller). Sie sagte „in den Keller“, und ich nickte und gab ihr dann einen Kuss auf den mir zugewandten Lippen. Es war meinem Empfinden nach ein etwas flüchtiger Kuss, ohne den Geschmack der Lippen. Wir blickten uns kurz an, dann ging Frau Dosch weiter die Treppe hinab zum Keller und ich die Treppe hinauf zu unserer Wohnung. Wie gesagt, es war eine etwas flüchtige Begegnung im Treppenhaus. Beobachtung auf dem Weg zur Abfallhütte: Ich sah ein hellrotes Eichkätzchen, das wenige Schritte vor mir kurz stehen blieb und dann hurtig im Beet mit den Pfingstrosen verschwand. Dieses Eichkätzchen hatten wir den kalten Tagen über auf unserem mit Schalenhaselnüssen gefüttert. Das Eichkätzchen holte alle Nüsse aus dem flachen Teller, verspeiste eines oder zwei und vergrub die anderen Nüsse in die Blumen, die es dann in den nächsten Tagen wieder suchte und ausgrub, wenn es sie dann wieder gefunden hatte. Sehr zum Ärger meiner Frau, die in Erwägung zog, das Füttern des Eichkätzchens einzustellen. Noch dazu, wo sich auch die Mieterein über uns bei meinner Frau beschwerte, dass ein hellbraunes Eichhörnchen ihre zwei Blumenkästen durchwühlt hatte. Meine Frau stellte den Sachverhalt aber klar. Das Verhalten des Tieres wurde mißbilligt und abgelehnt. Das Füttern wurde jedoch von meiner Frau fortgesetzt, worüber sich das Eichkätzchen sicherlich sehr gefreut hat. Es hat dies jedoch nicht kundgetan, sondern in seiner Art sein Treiben fortgesetzt. Doch jetzt Ende Mai haben wir das Füttern eingestellt.

PS: Ein dunkel gefärbtes Eichkätzchen, das auch bei uns zu Gast war, ist in einer mit Wasser gefüllten Tonne eines Gartenmieters ertrunken, weil dieser Schwachkopf, die prall gefüllte Tonne nicht mit einem Deckel verschlossen hat. Ist er nun ein Eichkätzchenmörder oder nur ein die Natur nicht kennender Bürger?  Ich denke, er ist beides.

Gestern war ich abends bei einer Modenschau ‚Secret FASHION‘ in der Tonhalle. Es waren viele People da, denen die gigantische Tonstärke und die rumpsenden Beats der Lautsprecher nichts ausmachten. Ich daggen fürchtete um mein Trommelfell, das derartige überdeziblen Lärm nicht gewohnt war. Die vielen und sehr attraktiven Models taten mir leid, aber sie blieben weiter heiter im unheiteren Arbeitsabseits! Wo bleibt da die Kontrolle der Arbeitsplätze bei solchen Veranstaltungen? Wir alle zahlen schließlich die Zeche bei den Hördoktoren und den Krankenhäusern, die solche kaputten Ohren reparieren müssen!

Über Markus Dosch

Markus Dosch wurde in dem Dorf Allach bei München 1931 geboren. Kindheit und Jugend sind durch die nationalsozialistische Herrschaft geprägt, vor der der Junge in eine Welt der Bücher flieht. Die Beschäftigung mit Märchen, Mythen und Sagen bietet eine Möglichkeit zu leben und zu überleben. Das Lesen erweckt schon früh den Wunsch selbst zu schreiben und das Leben in Sprache zu verwandeln. In seinen Erzählungen verarbeitet er vielfach seine Erfahrungen als Mitarbeiter einer Versicherung. Die Erlebnisse eines ganz normalen Büromenschen werden hier zu manchmal schaurigen, manchmal heiteren, manchmal bissigen Geschichten verdichtet. Die frühe Faszination durch Mythen und Märchen kehrt dabei in der Kunst des Autors wieder, das Wunderbare oder das Abgründige im Einerlei des tagtäglichen Lebens aufzuspüren und in poetische Bilder zu fassen. Ich bin Mitglied im VS - Verband Deutscher Schriftsteller in Bayern P.E.N. - Club Deutschland Werkkreis - Literatur der Arbeitswelt

21. Mai 2015 von Markus Dosch
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