Harter Schädel

Grüazi, heute greife ich zurück auf meine Schädel-Prüfungen, der sich allerdings als ziemlich hart erwiesen hat. Das erste Erlebnis hatte ich mit ca. 14 Jahren. Eine Clique von uns hatte sich im wasserfreien Allacher Bad einen Tennisplatz eingerichtet und sich da harte Kämpfe geliefert. Die Schläger hatten wir aus Holz fabriziert und konnten damit gut umgehen. Wir spielten Einzel und Doppel auf dem Betonboden des Bades. In der Mitte des ‚Spielplatzes‘ spannten wir eine Leine als Netz. Manchmal war der Boden jedoch naß, weil es vorher geregnet hatte. Das war jedoch kein Grund, nicht zu spielen.

Mitten im heißesten Gefecht, spurtete ich vor ans Netz, und als ich mich zurückbeugte und mit dem Schläger den Ball zu retournieren, rutschte ich aus und flog der Länge nach mit dem ganzen Körper rücklings auf den Beton. Auch mein Schädel flog mit und mit Wucht auf den Beton. Ich erinner mich noch, dass ich liegen blieb und dachte ‚Sakra, jetzt hat’s dich erwischt!‘ Doch nach einer Weile konnte ich wieder auf die Knie kommen und blieb eine zeitlang so gebückt. Dann merkte ich, dass mir Wasser aus der Nase und aus dem Mund rannen, da war ich dann ganz schön erschrocken. Der Kopf tat mir weh, aber ich spielte einfach weiter nach einiger Zeit. Alle meinten, das würde ich später merken, von wegen Defekte im Kopf, aber ich merkte nichts davon.

Einige Jahre später arbeitete ich als Lehrling bei der Lebensmittel-Großhandelsfirma ‚Kehrer und Weber‘, in der Paul-Heyse-Str. in München. Das war zur Zeit der ‚Korea-Krise‘, da meine Mutter meinte, die Lebensmittelversorgung wäre damit gesichert. So war es dann auch. Mit mir war auch der Mühl Hans auch aus Allach dabei. Im Gedächtnis geblieben ist mir aus der Zeit, das Problem der Firma mit ihrem ‚Weinhandelsfachmann‘ Der hatte eine schöne, rote Nase, weil er jeden Tag total besoffen war, und jedem grauste davor, wenn er zu ihm mußte, in den ‚Weinkeller‘.

Wir hatten auch einen weiteren Lehrling, der schon älter war und aus einem ‚vornehmen‘ Haus, das mit dem Direktor befreundet war. Das war ein umtriebiger Bursche, der mich ab und zu ärgerte, ich ihn aber auch. Eines Tages gab ich ihm einen Spitz in den Arsch, sodass er sehr wütend wurde und mich durch die Firma jagte. Ich flüchtete mich in den Keller, sprang die oberen Stufen hinunter und wollte mit einem Satz durch die untere Kellertür. Aber ich verschätzte mich grandios und sprang mit der Stirn mit voller Wucht an den oberen Eisenrand der Tür. Der enorme Schwung warf mich zurück auf die Stufen, ich war total benommen und hatte Angst, umzukippen. Wieder rannen mir aus Nase und Mund Wasser und Körperflüssigkeit. Mein Verfolger half mir, er auch erschrocken, und flüsterte mir zu „warum warst du so blöd und bist da an die Eisentür gerammelt? Du wirst sehen, du wirst irgendwann nach Jahren in einer Blödenanstalt landen ,so wie du da hingerammelt bist!“ Na dachte ich mir, schöne Aussichten, im Alter im Irrenhaus zu leben.

Aber heut bin ich stolz auf meinen harten Schädel und denke mir, etwas ist doch geblieben von diesen Stürzen: Du bist eine irrer Autor geworden, der seine Fantasien nicht immer im Griff hat. Vielleicht kommt auch das davon, dass ich so gerne ficke und l. und nicht genug davon bekommen kann. Auch im Alter nicht. Doch ich denke, es gibt auch heute noch irre Autoren und die vögeln natrülich auch rasend gerne, diese Halodris! Und die Damen Autorinnen? Aber das ist eine andere Geschichte.

 

 

 

Über Markus Dosch

Markus Dosch wurde in dem Dorf Allach bei München 1931 geboren. Kindheit und Jugend sind durch die nationalsozialistische Herrschaft geprägt, vor der der Junge in eine Welt der Bücher flieht. Die Beschäftigung mit Märchen, Mythen und Sagen bietet eine Möglichkeit zu leben und zu überleben. Das Lesen erweckt schon früh den Wunsch selbst zu schreiben und das Leben in Sprache zu verwandeln. In seinen Erzählungen verarbeitet er vielfach seine Erfahrungen als Mitarbeiter einer Versicherung. Die Erlebnisse eines ganz normalen Büromenschen werden hier zu manchmal schaurigen, manchmal heiteren, manchmal bissigen Geschichten verdichtet. Die frühe Faszination durch Mythen und Märchen kehrt dabei in der Kunst des Autors wieder, das Wunderbare oder das Abgründige im Einerlei des tagtäglichen Lebens aufzuspüren und in poetische Bilder zu fassen. Ich bin Mitglied im VS - Verband Deutscher Schriftsteller in Bayern P.E.N. - Club Deutschland Werkkreis - Literatur der Arbeitswelt

15. März 2015 von Markus Dosch
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