Unsere Tiere in Allach

Als Kinder haben meine Schwester und ich viel mit Tieren zusammen gelebt, was heute nicht mehr so möglich ist. Heute leben meine Frau und ich nur noch mit Fliegen, Wespen und ab und zu mit Stechmücken (nachts) zusammen. Damals gab es auch Fliegen, Wespen und Bienen. Die Fliegen wurden brutal ‚gefoltert‘ und ermordet, indem sie an die mit Honig bestrichenen Fliegenfänger gelockt wurden, auf denen sie sich langsam zu Tode abstrampelten. Als Kind ist man ja unempfindlich gegen die Schmerzen der Tiere, noch dazu, wenn die Eltern es den Kindern nicht beibringen, dass auch Tiere Schmerz fühlen. Die Wespen haben die Eltern mit der Fliegenklatsche erschlagen, die konnten uns wenigstens mit Stichen quälen. Dass der Gesetzgber die Fliegenfänger dann verboten hat, wurde klaglos hingenommen.

Dann gab es unter den Dachziegeln unseres Hauses stets ganze Familien von Spatzen, die mein Vater über eine Leiter aus den Nestern holten, sie zu uns herunter warf, wo wir sie dann zertraten oder an die Hauswand warfen, wo sie rasch getötet wurden. Ich mohte das nicht gerne, mir gefielen die Spatzen und ihr Gezeter. Und noch eine Spezies war in Allach: Die weißlichen Raupen mit ihren kurzen Schwänzchen in der Versitzgrube unter dem Klo. Das war damals in Allach Usus, und im Vorsommer stiegen diese scheußlichen Würmer aus der Grube heraus und krochen überall im Hof herum. Eine große Schadenfreude gabe es für uns Kinder und die Mutter, als der Vater beim Ausräumen der Grube mit dem Schubkarren voller Gülle und den Würmern, mit Karacho an den Betonpfosten des Gartentürls stieß und die Würmersuppe in hohem Bogen zu ihm herausschwappte und er von oben bis unten mit Scheiße behangen war. Er stank fürchterlich, und für uns war die ‚Scheiß’arbeit für heute beendet. Ungeniert lachten wir ihn aus, die Mutter stand in ihrer Arbeitsschürze an der Tür vom Vorhäusl, die Hände in die Hüften gestemmt und lachte ebenfalls aus vollem Hals.

Wir hatten auch Hasen, deren Futte wir täglich suchen mußten, und wenn einer geschlachtet wurde, gab es natürlich viele Tränen und vom Fleisch aßen wir keinen Bissen! Irgendwann kam der Vater auf die Idee, wir müßten auch Hühner haben. Also kam noch ein Hühnerstall neben die Hasen. Doch lax wie die Familie war, holten wir die Hennen nicht von den Apfelbaumästen, wo sie dann die ganze Nacht im Freien verbrachten. Doch eines Morgens gab es ein böses Erwachen – die Hühner waren weg, und unter den Bäumen lagen die abgeschnittenen Köpfe und Füße! Das war ein Schock, denn wir wußten nicht, wer es getan hatte. Einen Verdacht gab es zwar, aber den konnten wir nicht nachweisen. Erst um die Jahrhundertwende erzählte mir ein Schul’freund‘ aus der Allacher Kinderreichen-Siedlung, dass sie diese ‚Mordbuben‘ waren. Mir blieb nur übrig, ein säuerliches Gesicht zu dem Geständnis zu machen.

Und noch eine Tierart treibt sich noch heute im Garten herum: Weinbergschnecken, die mein Vater zur Nachzüchtung gekauft hatte, und die sich aus ihrem losen Gitterkäfig in den ganzen Garten verzogen hatten.

Und noch ein Hund ‚Rolfi‘, der uns Kindrn sehr lieb war und den Vater eines Morgens mit einem Fäustel den Kopf zerschlegen und ihn auf so grausame Weise getötet hatte. Rolfi hatte den Fehler gemacht, aus dem Hundezoo, wohin in die Eltern ihn verfrachtet hatten, über die 2 Meter hohen Gitterzäune zu klettern und wieder zu uns nach Hause zu rennen. Freude bei uns Kindern, und Rolfi wurde zum Freiheits-Helden‘ erkoren. Doch für ihn war es das Ende eines Hundetraums.

06. Juli 2015 von Markus Dosch
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Kussaustausch auf der Treppe

um ca. 10:11 kam ich aus der Abfallhütte unserer Hausgemeinschaft zurück, nachdem ich dort zwei Papierkörbe voll Papierneuigkeiten in die Tonne geschubst habe. Auf der Treppe zu unserer Wohnung, traf ich Frau Dosch mit einem halb vollen Wäschekorb. Sie und ich blieben auf der Treppenstufe stehen, und ich fragte sie, wohin sie gerade gehe (obwohl ich wusste, mit dem Wäschekorb geht sie immer zum Trockner in den Keller). Sie sagte „in den Keller“, und ich nickte und gab ihr dann einen Kuss auf den mir zugewandten Lippen. Es war meinem Empfinden nach ein etwas flüchtiger Kuss, ohne den Geschmack der Lippen. Wir blickten uns kurz an, dann ging Frau Dosch weiter die Treppe hinab zum Keller und ich die Treppe hinauf zu unserer Wohnung. Wie gesagt, es war eine etwas flüchtige Begegnung im Treppenhaus. Beobachtung auf dem Weg zur Abfallhütte: Ich sah ein hellrotes Eichkätzchen, das wenige Schritte vor mir kurz stehen blieb und dann hurtig im Beet mit den Pfingstrosen verschwand. Dieses Eichkätzchen hatten wir den kalten Tagen über auf unserem mit Schalenhaselnüssen gefüttert. Das Eichkätzchen holte alle Nüsse aus dem flachen Teller, verspeiste eines oder zwei und vergrub die anderen Nüsse in die Blumen, die es dann in den nächsten Tagen wieder suchte und ausgrub, wenn es sie dann wieder gefunden hatte. Sehr zum Ärger meiner Frau, die in Erwägung zog, das Füttern des Eichkätzchens einzustellen. Noch dazu, wo sich auch die Mieterein über uns bei meinner Frau beschwerte, dass ein hellbraunes Eichhörnchen ihre zwei Blumenkästen durchwühlt hatte. Meine Frau stellte den Sachverhalt aber klar. Das Verhalten des Tieres wurde mißbilligt und abgelehnt. Das Füttern wurde jedoch von meiner Frau fortgesetzt, worüber sich das Eichkätzchen sicherlich sehr gefreut hat. Es hat dies jedoch nicht kundgetan, sondern in seiner Art sein Treiben fortgesetzt. Doch jetzt Ende Mai haben wir das Füttern eingestellt.

PS: Ein dunkel gefärbtes Eichkätzchen, das auch bei uns zu Gast war, ist in einer mit Wasser gefüllten Tonne eines Gartenmieters ertrunken, weil dieser Schwachkopf, die prall gefüllte Tonne nicht mit einem Deckel verschlossen hat. Ist er nun ein Eichkätzchenmörder oder nur ein die Natur nicht kennender Bürger?  Ich denke, er ist beides.

Gestern war ich abends bei einer Modenschau ‚Secret FASHION‘ in der Tonhalle. Es waren viele People da, denen die gigantische Tonstärke und die rumpsenden Beats der Lautsprecher nichts ausmachten. Ich daggen fürchtete um mein Trommelfell, das derartige überdeziblen Lärm nicht gewohnt war. Die vielen und sehr attraktiven Models taten mir leid, aber sie blieben weiter heiter im unheiteren Arbeitsabseits! Wo bleibt da die Kontrolle der Arbeitsplätze bei solchen Veranstaltungen? Wir alle zahlen schließlich die Zeche bei den Hördoktoren und den Krankenhäusern, die solche kaputten Ohren reparieren müssen!

21. Mai 2015 von Markus Dosch
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Von einem, der auszog, einen Engel zu kaufen

Markus Dosch - Kurzgeschichten - 110 Seiten - Paperback - 8,90 €

Markus Dosch – Kurzgeschichten – 110 Seiten – Paperback – 8,90 €

Eine kleine Rezension von Ralf R. Ruehe vom 4. 5. 2015

Ob es der burschikose und raffinierte ‚“Onkel Sepp“ ist, ein Waren–Tandler, der die Dörfer um Ammer- und Starnbergersee beliefert oder eine plötzlich aus vergangenen Zeiten auftauchende feenhafte Dame.

Ob er mit ihr, dieser zauberischen Fee, Kaffee trinkt auf der Terrasse von Schloss Dachau oder sich plötzlich, ganz plötzlich verliebt in eine hübsche Geschäftsinhaberin, welche dann keine war und die plötzlich verschwindet …

Markus Doschs Personenarsenal ist immer voll prallen Lebens, wenn auch manchmal verzaubert.

Manchmal wirken die Handlungen alltäglich, bis man dann bemerkt, dass sie alles andere sind. Manchmal sind sie von vorneherein seltsam und geheimnisvoll angelegt, sodaß viele Fragen aufgeworfen werden.
Und ich denke: das ist das Ziel des Autors!

Markus Doschs Stil ist die Mischung aus Alltäglichkeit und Geheimnisvollen.
Dabei handelt es sich um Geheimnisse und Events, die einem jeden von uns passieren könnten.

Wie er diese präsentiert, ist das einzigartige Rezept des Autors. Er schreckt auch vor Tabus nicht zurück. Wir finden uns im Selbst – Erlebten und Vergangenen wieder. Wir identifizieren uns mit seinem Engagement gegen Repression, falsche Traditionen, gegen Feindseeligkeit, Intoleranz, Stagnation. Auch wenn der Autor angeblich „Frieden und Freiheit“ bringende Mächte nicht unkritisch davonkommen lässt, können wir nur sagen: Weiter so! Und zustimmen.

Markus Dosch bezieht auch Stellung in Sachen Politik, wobei er auch allseits freiheitsbringende Mächte (Weltmächte) nicht verschont.

Wenn dann in einer Geschichte am Ende des Bandes ein Wissender die weißte Fahne hisst, wenn ein anderer den erklärten gestrigen Skin vor dem Tod rettet, da ist Markus Dosch wieder ganz auf der Höhe seiner Forderungen: Sich erkennen, sich die Hand reichen.


Hier eine Geschichte aus dem Buch:
Franto

Es war in den letzten Tagen des Krieges. Die Amerikaner waren schon bei Dachau und schossen mit ihrer schweren Artillerie in unser Dorf. Ein Treffer riss ein Riesenloch in die Rückwand unseres Hauses, aber außer der Zerstörung der Kohlen- und Holzvorräte und der Werkzeugschränke, wurde wie durch ein Wunder niemand verletzt. Uns wurde es richtig mulmig, und schnellstens hängten wir ein weißes Leintuch vors Fenster, das Richtung Norden nach Dachau schaute. Weiterlesen →

20. Mai 2015 von renate
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Besuch des Westfriedhofs in München und der Postillion von Lonjumeau

Meine Frau meinte, wir sollten heute Vormittag das Grab ihrer Mutter im Westfriedhof besuchen. Da eine erfrischende Sonne schien, jedoch eine steife, kalte Brise wehte, fuhren wir mit dem Auto und eigenartigen Gefühlen hinaus. Doch es war gar nicht so frisch und die Sonne brachte schon eine beachtliche Wäreme. Besonders ein Baum strahlte über und über mit weißen Blüten an den Zweigen über den Gräbern, eine Zierkirsche. Viele Gräber mit leuchtenden Blumen und Sträuchern, fast wie ein botanischer Garten. Was fasziniert einen an Friedhöfen? Weil man an sein eigenes Ende denken muss, zwangsläufig? Da unten liegen, nur dein Körper, das Bewußtsein weit weit, weg im All? Dabei singen die Vögel, direkt neben uns eine Grasmücke mit ihrem Singsang wie ein junger Wildbach. Ich liebe diesen Gesang, denn er ist so rhytmisch und klar.

Wir gingen weit hinaus, besuchten noch das Grab eines alten Freundes und spendeten ihm eine kleine Grabkerze im Zylinder. Dahinten gibt es auch einen kleinen See, über und über mit Seerosenblättern bedeckt, die ein fantastisches Gemälde ergeben wrden, wenn sie in Blüte sind. Vormerken. Gleich daneben eine kleinere Spitzhauskapelle mit den Nischen für Urnen. Da bist du nicht mehr in Gestalt, sondern nur noch in atomaren Staubpartikeln vorhanden. Ist dein Bewußtsein mitberbrannt? Nein, nein, das kann man nicht verbrennen, sagen die Wissenschaftler des Todes. Berührt dich das alles? Ja, schon, doch nicht in das Innere dringend. Da brauchts schon mehr. Von was? Frage bleibt offen.

Kurz drauf Heimfahrt die Dauchauerstrasse. Friedl erwähnte kurz die ‚Postillonstrasse‘ und sofort schoß mir eine Melodie durchs Hirn: ‚Der Postillion von Lonjumeau‘. Dieses Lied gefiel mir sehr gut als junger Mensch, sein heiterer Ton und die akzentuierte Melodik, leicht mitzusummen oder zu singen, auch mit dem Hirn einwandfrei, das war doch eine überraschende Begegnung heute Morgen! Was bleibt davon? Ist es nur der Augenblick, de zählt oder ist es mehr? Lernen wir uns besser selbst kennen oder bleibt es nur eine Bagatelle? Nichts zum Speichern?? Vielleicht.

19. April 2015 von Markus Dosch
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Kultureller Frauenüberschuss

Ich war am Donnerstag, 26.3.15 in der Evangelischen Akademie in München zum ‚Literaturfrühstück‘ eingeladen, von 10h bis 12h. Eine Dame aus dem Luchterhand-Verlag (Lektorin), hielt einen kurzen Vortrag über Michail Bulkakow (russischer Autor) und las aus seinen edierten Briefen. Wie schon beim erstenmal, waren auch dieses Mal ca. 30 Frauen da und ich der einzige Mann außer dem Leiter der Veranstaltung. Das letzte Mal waren wenigstens noch zwei weitere Männer da gewesen.

Dieser Autor durfte in den Zwanziger und Dreißiger Jahren nicht aus Russland ausreisen, hatte praktisch Schreibverbot und durfte nichts veröffentlichen! Da darf man gar nicht an die heutige Situation der Schreiber denken.

Eine der Damen war eine Kennerin und Liebhaberin der Werke Bulkakows und sehr redegewandt. Sie trifft sich mit anderen Damen zu einer Lesegruppe um sich weiter zu bilden! Man staune, wie die Damen sich mit Begeisterung der Literatur widmen. Ich kam mir irgendwie am verkehrten Ort vor, denn wo sind all die kulturell interessierten Männer gewesen? Doch nicht bei den Bayern im Stadion, am Vormittag?! Da kann ich nur sagen: Ihr Männer seid wirklich keine Vorbilder mehr in kultureller Hinsicht, und ihr habt auch nichts mehr verloren in der Spitze der Wirtschaftkonzerne. Rüstet ab und verliert euch in Fußballstadien oder in den Puffs der Städte. Dort könnt ihr euch die Kehle aus dem Hals schreien oder eure Samen in die Gummis spritzen. Zu mehr seid ihr nicht mehr imstande! Halt, ja zum Basteln von Todeswaffen und zum Kriegführen und dabei Frauen und Kinder vergewaltigen. das traut man euch noch zu. Schade, dass ihr im Lauf der Jahrzehnte so enorm abgebaut habt. Werdie Kultur verläßt, der geht ins gesellschaftliche Nirgendwo.

 

29. März 2015 von Markus Dosch
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Harter Schädel

Grüazi, heute greife ich zurück auf meine Schädel-Prüfungen, der sich allerdings als ziemlich hart erwiesen hat. Das erste Erlebnis hatte ich mit ca. 14 Jahren. Eine Clique von uns hatte sich im wasserfreien Allacher Bad einen Tennisplatz eingerichtet und sich da harte Kämpfe geliefert. Die Schläger hatten wir aus Holz fabriziert und konnten damit gut umgehen. Wir spielten Einzel und Doppel auf dem Betonboden des Bades. In der Mitte des ‚Spielplatzes‘ spannten wir eine Leine als Netz. Manchmal war der Boden jedoch naß, weil es vorher geregnet hatte. Das war jedoch kein Grund, nicht zu spielen.

Mitten im heißesten Gefecht, spurtete ich vor ans Netz, und als ich mich zurückbeugte und mit dem Schläger den Ball zu retournieren, rutschte ich aus und flog der Länge nach mit dem ganzen Körper rücklings auf den Beton. Auch mein Schädel flog mit und mit Wucht auf den Beton. Ich erinner mich noch, dass ich liegen blieb und dachte ‚Sakra, jetzt hat’s dich erwischt!‘ Doch nach einer Weile konnte ich wieder auf die Knie kommen und blieb eine zeitlang so gebückt. Dann merkte ich, dass mir Wasser aus der Nase und aus dem Mund rannen, da war ich dann ganz schön erschrocken. Der Kopf tat mir weh, aber ich spielte einfach weiter nach einiger Zeit. Alle meinten, das würde ich später merken, von wegen Defekte im Kopf, aber ich merkte nichts davon.

Einige Jahre später arbeitete ich als Lehrling bei der Lebensmittel-Großhandelsfirma ‚Kehrer und Weber‘, in der Paul-Heyse-Str. in München. Das war zur Zeit der ‚Korea-Krise‘, da meine Mutter meinte, die Lebensmittelversorgung wäre damit gesichert. So war es dann auch. Mit mir war auch der Mühl Hans auch aus Allach dabei. Im Gedächtnis geblieben ist mir aus der Zeit, das Problem der Firma mit ihrem ‚Weinhandelsfachmann‘ Der hatte eine schöne, rote Nase, weil er jeden Tag total besoffen war, und jedem grauste davor, wenn er zu ihm mußte, in den ‚Weinkeller‘.

Wir hatten auch einen weiteren Lehrling, der schon älter war und aus einem ‚vornehmen‘ Haus, das mit dem Direktor befreundet war. Das war ein umtriebiger Bursche, der mich ab und zu ärgerte, ich ihn aber auch. Eines Tages gab ich ihm einen Spitz in den Arsch, sodass er sehr wütend wurde und mich durch die Firma jagte. Ich flüchtete mich in den Keller, sprang die oberen Stufen hinunter und wollte mit einem Satz durch die untere Kellertür. Aber ich verschätzte mich grandios und sprang mit der Stirn mit voller Wucht an den oberen Eisenrand der Tür. Der enorme Schwung warf mich zurück auf die Stufen, ich war total benommen und hatte Angst, umzukippen. Wieder rannen mir aus Nase und Mund Wasser und Körperflüssigkeit. Mein Verfolger half mir, er auch erschrocken, und flüsterte mir zu „warum warst du so blöd und bist da an die Eisentür gerammelt? Du wirst sehen, du wirst irgendwann nach Jahren in einer Blödenanstalt landen ,so wie du da hingerammelt bist!“ Na dachte ich mir, schöne Aussichten, im Alter im Irrenhaus zu leben.

Aber heut bin ich stolz auf meinen harten Schädel und denke mir, etwas ist doch geblieben von diesen Stürzen: Du bist eine irrer Autor geworden, der seine Fantasien nicht immer im Griff hat. Vielleicht kommt auch das davon, dass ich so gerne ficke und l. und nicht genug davon bekommen kann. Auch im Alter nicht. Doch ich denke, es gibt auch heute noch irre Autoren und die vögeln natrülich auch rasend gerne, diese Halodris! Und die Damen Autorinnen? Aber das ist eine andere Geschichte.

 

 

 

15. März 2015 von Markus Dosch
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Kompositionnen von Dimitri Schostakowitsch

Vor einigen Tagen sah und hörte ich im TV eine Komposition von Schostakowitsch, seine 1, Sinfonie in F-Dur Werk 10. Die hat er mit 18 Jahren komponiert, eine erstaunliche Leistung für einen so jungen Musiker. Sie hat denn auch für mich etwas sehr stürmisches, wie man es auch aus seinen späteren Werken kennt. Mich hat es fasziniert, obwohl Sch. nicht zu den beliebtesten Sinfonikern zählt. Aber die Zeiten sind vorbei, als er noch die Zuhörer schockierte mit seinen raschen Tempowechseln sind seinem Ungestüm.

Gegen die heutigen ‚Krächzer‘ und ‚Abruptivisten‘ und ‚Jauler‘, ist er fast schon ein klassischer Komponist der Moderne. Also liebt man ihn und geht den Neueren unserer Zeit aus dem Weg. Entweder zu spät im Konzertsaal zu erscheinen oder früher ihn verlassen! Aber so haben es die Leute schon in den 50igern gemacht, als die damaligen Neutöner rumpelten und wir uns wunderten, was da alles los war auf der Bühne. Als junger Mensch war man damals auch toleranter und hat versucht, diese Musik aufzunehmen und zu goutieren, was nicht einfach war. Die Nazis hatten uns nicht vorbereitet auf diese dissonanten Sounds, aber ich sagte mir, warum nicht das Alte mal beiseite lassen und das Neue zumindest anzuhören. Und manches Neue war auch richtig faszinierend. Alles was neu ist, bringt uns weiter und öffnet weite Horizonte des Erlebens.

Meine Frau und ich lieben von Sch. seinen Walzer Nr. 2. Es ist eine Stimmung dabei, die dich nicht mehr loslässt. Auch eine Art von Sinnlichkeit, die uns gefangen nimmt und die unversehens im Lauf des Tages oder vor dem Einschlafen sich in dir einnistet und dich verzaubert. Der Tag sieht zumindest für eine gewisse Zeit anders aus, viel lockerer und heiterer, und du denkst dir, dass es diese Melodie gibt, das ist ein einmaliger Glücksfall. Und du schwingst mit dem Sound und der Melodie und dem Rhythmus und das Leben ist für kurze Zeit nicht mehr so bedrückend und ausweglos. Ich danke Dir, Dimitri Schostakowitsch, für diesen Geniestreich.

 

15. Februar 2015 von Markus Dosch
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Traum mit Vater und Freundin

Manchmal können Träume dich schon erschrecken, weil du dich nicht dagegen wehren kannst. Vor ca. 5 – 6 Jahren träumte ich sehr viel, die unterschiedlichsten Situationen und dann wieder sich wiederholende Geschichten und Orte. Und einmal hatte ich sogar einen Traum mit fantastischen Farben in allen Schattierungen von Blau. Da war ich im Traum total verzaubert, denn er spielte in einer riesigen Höhle, die in einem wahren Farbenrausch erschien. Aber das war nur einmal. Und einmal träumte ich, dass ich flog wie ein Vogel, immer höher hinauf, ein unbeschreibliches Gefühl der Leichtigkeit und des Freiseins von den Fesseln der Anziehungskraft der Erde. Kein Wunder, dass man danach in einer gelösten Stimmung ist und der Traum noch lange nachhallt.

Doch die Regel sind Träume, die dich ängstigen, die die Unsicherheit des Lebens suggerieren und dich fast betäuben. Lange danach kannst du diesen Traum nicht abschütteln. So geschah es mir mit dem Traum im Titel dieses Beitrags.

Meine Freundin und ich lagen in Allach im, Bett, einem Bauern-und Industriedorf nordwestlich von München. Unser Haus war klein und das Schlafzimmer auch. Wir sahen hinaus auf einen kleinen Vorgarten mit Apfel- und Birnbäumen. Es war fast Nacht, doch irgend etwas störte unsere Ruhe. Plötzlich sagte meine Freundin „hörst du es nicht, da draußen vor dem Fenster bewegt sich was.“ Auch ich hatte ein Gefühl des bedroht seins, unheimlich und gespenstisch. „Ich fürchte mich“ sage sie und zog die Bettdecke über den Kopf. Ich schaute angestrengt zum breiten Fenster, doch es war nichts zu sehen. „Geh mal zum Fenster und schau in den Garten, vielleicht siehst du was.“

Also kroch ich aus dem Bett und ging langsam zum Fenster. Als ich näher kam, sah ich in der linken Fensterscheibe ein verzerrtes Gesicht, das ich zuerst nicht erkennen konnte, was es bedeuten sollte. Ich kam näher, und das Gesicht drückte sich an die Scheibe. Und dann erkannt ich, dass es mein verstorbener Vater war. Er sah irgendwie verstört aus und klopfte ans Fenster, ich sollte aufmachen. Zuerst war ich zutiefst erschrocken, meinen Vater da draußen zu sehen. Ich dachte, was will er denn von uns. Er machte ein Handzeichen, ich solle den Riegel drehen und das Fenster aufmachen. Er tat mir leid, aber ich konnte ihn unmöglich herein lassen ins Schlafzimmer, das zu Lebzeiten aber auch seines war! Er deutete auf meine Freundin, sie solle auch ans Fenster kommen. Sein Gesicht wurde zu einer Fratze, die mir wirklich Angst machte. Dann kam auch die Freundin dazu und versteckte sich hinter meinen Rücken. Sie hatte einen Besen dabei, da drückte Vater ans Fenster und es ging einen Spalt auf. Er griff mit einer Hand an den Rahmen und wollte wohl das Fenster aufsprengen. Da reichte sie mir den Besen und ich fuhr mit ihm aus dem nun halb offenen Fenster und stieß im den Besen mitten ins Gesicht. Er schrie fürchterlich auf, ein grausames Geheul, und ich schämte mich zutiefst, dass ich solch eine gemeine Handlung gegen meinen Vater machte. Er zog die knochige Hand zurück und drückte sie auf sein Gesicht. Da stürmte die Freundin hinter mir hervor und zusammen drückten wir das Fenster wieder zu und fielen uns in die Arme. Das Gesicht meines Vaters verschwand dann im Nu, und ich erwachte schweißgebadet und total erschöpft.

Ich erzählte meiner Frau diesen Traum, aber auch sie konnte ihn sich nicht erklären, und ich auch nicht. Noch heute, als ich diesen Traum aufschrieb, fühle ich mich schuldig gegenüber meinem Vater. Was wäre passiert, wenn wir ihn ins Schlafzimmer herein gelassen hätten? Hätte er uns getötet oder mit uns geredet und uns über seinen jetzigen Zustand im Jenseits berichtet? Oder hätte er sich entschuldigt, dass er unseren Liebling, einen uns zugelaufenen Hund ‚Rolfi‘ mit dem Vorschlaghammer getötet hatte? Meine Schwester und ich waren untröstlich über dieses grausame Ende, über ein Wesen, das wir liebten. Ich weiß es nicht.

Da ich jedoch glaube, dass wir uns in einer anderen Welt als eine Art von Lichtwesen wieder treffen werden, dann werden wir auch unsere Eltern und unseren Liebling wieder sehen und ihn ganz lange an uns drücken. Meine Schwester ist übrigens schon seit zwei Jahren dort, wo eine unendliche Liebe uns erwartet, von der wir hier auf Erden nur träumen können.

01. Februar 2015 von Markus Dosch
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Erlebnisse, die man nie vergißt

Als Schüler ging ich in die Oberrealschule in der Wilhelmsstraße in Schwabing. Wir lernten dort auch etwas über Kultur und Literatur, aber das meiste erstreckte sich auf Wirtschaft und Mathematisches sowie Fremdsprachen. Da nach dem Krieg wenige Trambahnen nach Schwabing fuhren, hingen wir oft an den Türen der Tram außen dran und waren nur mit einem Arm und einem Fuß verankert. Natürlich sehr gefährdet, dass dich ein nah vorbeifahrender Lastwagen abstreifte und du entweder unter die Tram oder unten den Lastwagen zu landen kamst. Ein Freund hing ziemlich weit draußen und sah den Lastwagen nicht, der an der Biegung der Straße stand. Urplötzlich war er verschwunden, wir schrien, der Tramfahrer hielt an und wir klaubten unseren Kumpel unter dem Laster hervor. Leider ist ihm einer der Seitenwandriegel in den Mund geraten und hat ihm den ganzen Mund aufgerissen. Das hat scheußlich ausgesehen und saumäßig geblutet. Doch er hatte riesiges Glück, dass er nicht unter die fahrende Tram geraten ist, das wäre sein Ende gewesen. Heute ist das alles kein Problem mehr, denn alles ist so automatisiert, dass so was nicht mehr möglich ist. Unglücksfälle gibt’s aber doch noch genug.

Ein andermal fuhren wir wieder durchs Siegestor, und ich sah, dass ein älterer Typ mit einem Riesenrucksack draußen hing und ich dachte mir, der kommt nie und nimmer durch das enge Tor mit seinem Rucksack. So kam es auch, es gab einen Riesenlärm, der Typ musste lauter Töpfe und Geschirr im Rucksack gehabt haben, denn es krachte und klirrte in dem Tor, dass du erschrakst! Sein Rucksack war nicht mehr da, aber er hatte ein ebenso riesiges Glück wie unser Freund Guste.

Eine andere Episode aus einer Übergangszeit nach dem Krieg: Nach der Schule schaute ich ab und zu bei der Allacher Schmiede vorbei, an der Straße zur Würm, in der Nähe der Allacher Kirche. Allach hatte also noch eine Schmiede, die der ‚Schmiedpeter bediente. Er beschlug Pferde, Ochsen und Kühe und machte eiserne Gatter und Zierrat. Es war sehr interessant, ihm bei der Arbeit zuzusehen, an seinem offenen Feuer zu stehen und den Geruch von verbranntem Horn der Klauen der Tiere zu riechen. Das gibt s auch schon lange nicht mehr in Allach. Als ich damals vorbei kam nach der Schule, beschlug er gerade einen Ochsen. Der rumpelte wie ein Wilder im Rechteck, in dem er angehängt war, es passte ihm einfach nicht! Da ich alles genau sehen wollte, stellte ich mich direkt schräg hinter ihm und wartete auf den Schmiedpeter. Der kam bald und hob den Haxen des Ochsen auf sein Knie, bedeckt mit einer Lederschürze und kratzte am rechten Haxen mit seinem Messer herum. Das gefiel dem Ochsen gar nicht und plötzlich platzte sein After und ein Bogenstrahl von Scheiße ergoss sich über den Peter und mich! Ich sprang zurück, zu spät, meine ‚Schuluniform‘ war voller Scheiße , und ich stank wie ein Stinktier. Ein Riesengelächter der Schadenfrohen erschallte und daheim gleich noch einmal. Sie bogen sich vor Lachen, der Herr Oberschüler kam voller stinkender Scheiße heim von der ‚Oberschule‘.

15. Januar 2015 von Markus Dosch
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Muttermilch

Viele Kinder werden von ihren Müttern gestillt, aber nach einiger Zeit hört das auf und die Kinder bekommen eine andere Milch zu trinken. So ging es auch mit meinem Bruder Herbert, der im Schwabinger Krankenhaus lag, weil er zu früh zur Welt gekommen war. Meine Mutter bat mich, ihm regelmäßig ihre abgepumpte Muttermilch ins Krankenhaus zu bringen. Also brachte ich ihm die Milch in einer Flasche und gab sie immer an der Pforte ab. Doch eines Tages dachte ich mir, wie schmeckt denn so eine Muttermilch überhaupt? Bei mir war es schon lange her, dass ich sie bekommen hatte. Es reizte mich jetzt einfach, einen Schluck aus der Milchflasche zu nehmen, um zu erleben, wie sie mir jetzt schmeckte, doch eine seltsame Scheu ließ es nicht zu.

Doch irgendwann konnte ich dieser Neugier nicht widerstehen und holte die Flasche langsam aus der Tasche und betrachtete sie von allen Seiten. Soll ich oder soll ich nicht? Sie sah in meinen Augen irgendwie geheimnisvoll aus, blassweiß und etwas fett.

Dann aber überwog der Drang, sie zu verkosten, und ich schraubte den Deckel ab und setzte die Flasche an den Mund. Aber etwas in mir zögerte noch…doch dann hob ich die Flasche an die Lippen und nahm einen richtigen Schluck von der Milch. Erst ekelte sie mich an, aber langsam schluckte ich sie hinab, behielt jedoch einen Rest davon auf der Zunge. Der Bann war gebrochen. Ich wischte mir den Mund ab und die Lippen und wusste, dass ich nie mehr wieder Muttermilch trinken werde! Und jetzt brauche ich sowieso keine mehr, in meinem Alter.

13. Dezember 2014 von Markus Dosch
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